Ich werde gebraucht

Mein Name ist Vanessa Bolliger, ich bin 41 Jahre alt und wohne mit meinem Lebenspartner und unserem Hund seit 2001 in der Stadt Bern. Im beruflichen Umfeld war mir der Kontakt zu Menschen schon immer sehr wichtig, und ich war mehrere Jahre im Dienstleistungssektor tätig.

Eine psychische Erkrankung hat alles auf den Kopf gestellt und verunmöglichte mir den Verbleib im ersten Arbeitsmarkt. In einem Atelier der UPD Bern fand ich im geschützten Rahmen eine angemessene Beschäftigung. Durch meine damalige Vorgesetzte und Werkstattleiterin hörte ich zum ersten Mal vom Besuchsdienst Bern, und mein Interesse war geweckt. Drei Jahre später war ich für eine Veränderung bereit und meldete mich für das Auswahlverfahren an.

Zu meiner grossen Freude wurde ich angenommen und konnte zusammen mit 12 weiteren Teilnehmenden den ersten Lehrgang des Besuchsdienstes in Bern besuchen. Von Anfang an fühlte ich mich ernst genommen, ich wurde nicht mehr nur auf meine Diagnose und meine Defizite reduziert. Dies gab mir wieder Selbstvertrauen; ich war «etwas wert» und wurde gebraucht. Im Verlauf der Ausbildung merkte ich schnell, dass ich einen guten Draht zu älteren bzw. beeinträchtigten Menschen habe. Der Besuchsdienst Bern ermöglichte mir eine absolut sinnvolle und erfüllende Tätigkeit, was sich sehr positiv auf meine psychische Verfassung auswirkt.

Meine Aufträge sind so vielfältig wie die Menschen, die ich begleiten darf. Ein kleiner Spaziergang auf dem Heimareal, eine Ausfahrt oder ein Tagesausflug, gemeinsames Kochen und Essen im Privathaushalt, Begleitung zu externen Terminen (Arzt, Zahnarzt, Coiffeur usw.) und sogar der gemeinsame Besuch eines SCB-Matchs mit einem Rollstuhlfahrer – das beinhalten meine Aufträge beim Besuchsdienst Bern. Die Vielfalt der Aufträge und die immer wieder neuen Herausforderungen machen meine Arbeit abwechslungsreich und spannend.

Wertschätzende Rückmeldungen von Pflegepersonal oder Angehörigen, das freudige Erwartet-werden, ein Lächeln auf den Lippen, ein strahlendes Augenpaar, ein «Merci, ich freue mich schon auf Ihren nächsten Besuch» motivieren mich immer wieder von Neuem für meine Einsätze beim Besuchsdienst Bern.